Besucherführer der Burg Montségur

Das Wichtigste für Ihren Rundgang – Schritt für Schritt

Diese Seite begleitet Sie während Ihres gesamten Besuchs. Sie erfahren mehr über die Geschichte der Stätte, die wichtigsten Etappen ihrer Besiedlung sowie die verschiedenen Elemente, die beim Aufstieg und bei der Besichtigung der Burg zu sehen sind.

ℹ️ Lesezeit : 10 Minuten • Durchschnittliche Besuchsdauer : 2 Stunden • Schwierigkeit des Aufstiegs : mittel

Die Burg im Jahr 2024

  

Montségur vor den Katharern

Archäologische Forschungen haben gezeigt, dass die ersten Siedlungsspuren auf dem Pog (Berg) Montségur aus der Bronzezeit stammen. Fundstücke aus der späten römischen Zeit, wie Münzen, Ziegel und Keramik, deuten ebenfalls auf eine gallo-römische Besiedlung hin.

Montségur der Katharer (1204 – 1244)

Im Jahr 1204, kurz vor dem Beginn des Albigenserkreuzzuges, baten zwei Katharer-Diakone Raimund von Péreille das verfallene Kastell Montségur wiederaufzubauen. Das Kastell (Castrum), eine befestigte Siedlung oder Dorf, war von 1204 bis 1244 bewohnt. Es beherbergte Katharer-Ordensleute, Gläubige, landlose Ritter (Faydits)… Zeitweise lebten dort sogar über 500 Menschen. Im Jahr 1232 wurde Montségur Sitz der Katharerkirche.

Das Castrum von Montségur um 1230 – Modellierung basierend auf den Arbeiten der Archäologen

  

Katharismus

Eine Dissidentenbewegung, welche die Autorität des katholischen Klerus in Frage stellt. Der Katharismus ist eine Form des Christentums, die sich auf einem dualistischen Weltbild basiert. Das Gute, verbunden mit dem Heiligen Geist und Gott, steht dem Bösen gegenüber, das mit der Materie und der irdischen Welt verbunden ist. Innerhalb der Bewegung wird zwischen den Gläubigen und den Guten Männern bzw. Guten Frauen, den spirituellen Säulen, unterschieden, die sich nach dem Empfang des Consolamentum, des Gründungsrituals ihres Glaubens, einem Leben im Dienst und im Gebet verschrieben haben.

Leben auf dem Pog

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Kastell Montségur zu einer regelrechten Festung, die den gesamten Gipfel des Berges einnahm. Die am Rande des Abgrunds errichteten Häuser bildeten ein dichtes Netz aus engen Gassen, Treppen, schmalen Durchgängen und schafften so ein Bergdorf.

Die Belagerung und der Fall von Montségur (1243 – 1244)

Nach der gescheiterten ersten Belagerung 1241 und dem Massaker an der Inquisitoren in Avignonet 1242 belagerte das köngliche Heer ab Mai 1243 Montségur. Von Mai bis Mitte Dezember 1243 hielten die Verteidiger die Kreuzfahrer in Schach. Die Eroberung des befestigten Postens, bekannt als Roc de la Tour (Felsen des Turms), durch die Kreuzfahrer um Weinachten 1243 markierte jedoch einen Wendepunkt in der Belagerung.
Von dieser Position aus wurden Belagerungsmaschinen eingesetzt und die Befestigungen nach und nach zerstört.

Artilleriereste – auf dem Berg gefundene Steinkugeln – Bild Jordi Ràfols

Am 2.März 1244 kapitulierte die Garnison, und ein Waffenstillstand wurde geschlossen. Am 16.März wurden 225 Katharer, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, am Fusse des Pog, an einem Ort namens ‘Prat dels Cramats’, lebendig verbrannt.
Nach der Kapitulation wurde das Castrum vollständig abgerissen: Die Häuser und Gebäude, die den Gipfel des Berges einnahmen, wurden zerstört.

Montségur nach den Katharern.

Ende des 13.Jahrhunderts errichtete die Familie Lévis auf den Ruinen des alten Kastell Raimunds von Péreille eine neue Festung. Der Wiederaufbau fand in einer schwierigen Zeit statt, bedingt durch die Grenzkonflikte zwischen den Königreichen Frankreich und Aragon. Die Festung diente fortan als Nebenstützpunkt.

Die Burg um 1400 – Modellierung basierend auf den Arbeiten der Archäologen

  

Der Besuch des Schlosses Montségur

Der Aufstieg beginnt mit einem steilen Pfad, der den „Prat dels Cramats“ überquert, der als Ort der Hinrichtung von 225 Katharern gilt, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Weiter oben steht die Gedenkstele, die dem 16. März 1244 gewidmet ist.

Gedenkstele

Der Pfad führt dann tiefer in den Wald hinein. Gehen Sie durch das Unterholz: Erst wenn Sie aus dem Wald heraustreten, beginnt die archäologische Erkundung von Le Pog wirklich.

Entlang des Weges werden Sie Überreste von Trockenmauerwerk entdecken – die frühesten Spuren des Katharer-Kastrals.

Überreste einer Steinmauer – ein Bauwerk aus den Jahren 1204–1244

Weiter oben befanden sich direkt in den Fels gehauene Stufen, die sogenannten „Eselstufen“, die den Pferden helfen sollten, den Gipfel zu erreichen.

Stufen im Eselsschritt

Nach diesen Schritten stoßen Sie auf die Überreste einer beeindruckenden Trockenmauer: die erste befestigte Mauer des Katharer-Kastrumen.

Überreste der Wehrmauern des Kastells

Wenn man ein Stück weiter hinaufsteigt und nach oben blickt, scheint die Festung plötzlich hoch über einem zu thronen. Hier, im südlichen Teil des Kastells, werden die ersten Terrassen sichtbar – einst beherbergten sie die Wohnhäuser des Katharerdorfes. Bei weiterem Umschauen entdeckt man auch die Überreste anderer Wehrmauern, die einst diese Seite des Berges schützten.

Südlicher Teil des Kastells

Gehen Sie weiter, und Sie gelangen zur Fußgängerbrücke, die zum Burgtor führt. Beachten Sie, dass sich die historische Epoche abrupt ändert. Die Festung, die Sie heute sehen, wurde nach der Zerstörung des Katharerkastells während der Herrschaft von König Philipp III. von Frankreich, bekannt als Philipp der Kühne (1270–1285), erbaut.

Wenn der Himmel klar ist, sollten Sie von der Fußgängerbrücke aus einen Moment innehalten. Das Panorama vor Ihnen ist grandios: Lassen Sie Ihren Blick über die umliegenden Gipfel schweifen, darunter der Col de la Peyre und der Gipfel des Soularac.

Blick vom Südtor der Burg

Nach dem Albigenserkreuzzug wurde das Languedoc von der französischen Krone annektiert, doch hinter diesen Bergen erstreckte sich die Grafschaft Foix, die unter die Herrschaft des Königreiches Aragon fiel, In diesem Zusammenhang war die Festung Montségur Teil eines strategischen Netzes von Grenzbefestigungen, das die Grenzen des französischen Königreichs sichern sollte.

Im Burghof standen verschiedene Gebäude wie Scheunen, Ställe und Wohnräume, von denen heute nur noch Spuren von Balken und Treppen erhalten sind.

Blick ins Innere der Burg: heutige Ruinen im Vergleich zu einer digitalen Rekonstruktion der Gebäude

Der Bergfried (Donjon) dominiert das gesamte Gelände. Ursprünglich war er höher. Archäologen vermuten, dass mindestens ein Stockwerk und das Dach fehlen.

Der heutige Zugang zum Turm führt über des ehemalige Wasserreservoir der Burg und ist nicht der ursprüngliche Eingang.

Ursprünglich erfolgte der Zugang durch eine Tür im ersten Stock. Dieser Stock besass vier Fenster mit steinernen Fensterbänken. Eine weitere Tür führte zu einer Wendeltreppe, die sowohl in die oberen Stockwerke als auch ins Erdgeschoss führte. Dieser Kellertyp war von einem Steingewölbe bedeckt, dessen Spitzbogen noch heute sichtbar ist. Das Gewölbe, das mit fünf Schiessscharten ausgestattet war, diente sowohl als Verteidigungsanlage als auch als Lagerraum.

Ausserhalb der Burg, am Fusse des Bergfrieds, liegen Terrassen. Sie sind die Überreste des alten Katharerkastells und umfassen Wohnhäuser, Wasserreservoirs und sehr enge Treppen. Im Museum von Montségur helfen Rekonstruktionen dabei, die Anlage dieses Kastells besses zu veranschaulichen.

Bergfried (Zugang über die Zisterne) und Überreste des alten Castrums (nördliche und westliche Teile)